am 28. März 2020
Passionsfrüchtchen oder Wie man Leiden schafft
Pünktlichkeit, Ordnung, Akkuratesse. Das sind Attribute, die einen Deutschen auszeichnen.
Leidenschaft steht da nicht auf der Agenda, es sei denn, man könnte sie
von der Steuer absetzen. Selbst beim Tanzen wird auf die korrekte,
passende Schrittfolge geachtet. Die Unordnung wird minutiös vorbereitet,
bevor der angekündigte Spontanbesuch vorbeikommt, und auf dem Haargel
steht „Out-of-bed-Style“, um ein wildes Leben zwischen Tupperboxen und
Krawattenhalter zu suggerieren.
Doch warum? Was wurde aus dem Land der leidenschaftlichen Dichter und Denker, dem Land der passionierten Streitkultur?
Paul Weigl nimmt sich der Frage an und tobt sich auf der Bühne komplett
aus. Dabei führt er uns durch unseren teils paradox anmutenden Alltag,
geprägt von peinlichen Feiereinlagen, dem digitalen Blödsinn, der Suche
nach dem passenden Handyvertrag bis hin zu uns selbst, findet zudem die
Liebe sowie den Hass im Detail und zeigt jedem einzelnen, dass
Leidenschaft nichts ist, was man lernen kann, sondern irgendwann einmal
verlernt hat.
Wort- und stimmgewaltig sowie mimisch und gestisch ausschweifend, mal absurd, mal tiefgründig, mal offensichtlich, mal zwischen den Zeilen präsentiert sich Weigl als wahres PASSIONSFRÜCHTCHEN.
